Senegal, Ginuea-Bissau, Gambia
Rückreise nach Marokko
Tja, unser Plan immer entlang der Westküste Afrikas in den Süden zu fahren hat sich erstmal erledigt. Durch die anfänglichen Probleme mit unserem Iveco sind wir zeitlich ziemlich ins Hintertreffen geraten – und ganz ehrlich: so richtig gelöst ist das Ganze immer noch nicht.
Dazu kommt, dass hier langsam die Regenzeit anklopft. Die ersten Pisten im nächsten Land Guinea werden schon schwierig, und wir haben keine Lust, uns irgendwo festzufahren oder nur noch im Matsch zu stehen. Unser Ziel war ja sowieso nie, einfach nur schnell durchzubrettern und Länder von einer Liste abzuhaken. Wir wollen uns Zeit nehmen, eintauchen, verstehen – und nicht nur die Hauptstraßen sehen.
Ein bisschen Unsicherheit schwingt auch mit, was die Dieselversorgung angeht. Die Iran-Krise zieht sich länger als gedacht, und niemand weiß so genau, wie sich das noch entwickelt.
Also haben wir entschieden: Wir drehen um. Nicht gerade die spektakulärste Entscheidung, aber manchmal eben die sinnvollste. Bedeutet konkret: ein paar tausend Kilometer zurück – und ja, größtenteils über die gleiche Strecke. Aber hey, vielleicht sieht man auf dem Rückweg ja Dinge, die man vorher übersehen hat.
nochmals bis zur Zebrabar
Die nächsten Tage rollen wir ganz entspannt Richtung Norden. Entspannt heißt aber nicht, dass wir hier auf klassische Urlaubs-Vibes machen – der Alltag fährt halt einfach mit. Im Senegal hängen die Mangos reif an den Bäumen und werden in reichlichen Mengen angeboten. Also nutzen wir die Gelegenheit und basteln aus den restlichen Baobab-Früchten zusammen mit den Mangos eine geniale exotische Marmelade.
Klingt einfacher als es ist. Für Baobab-Saft muss man das trockene Fruchtfleisch erstmal ordentlich in Wasser einrühren. Zuhause: Küchenmaschine, Deckel drauf, fertig. Hier: Schüssel, Mixer und am Ende… naja, sagen wir mal, der Camper hat danach dringend eine Grundreinigung nötig.
Bevor es ernst wird mit der Sahara, legen wir nochmal einen Stopp in der Zebrabar ein. Wäsche waschen, Fenster putzen, Solaranlage sauber machen – einmal alles auf Reset. Wasser und Vorräte auffüllen, dann geht’s los Richtung Mauretanien. Ganz wichtig: beide Dieseltanks randvoll machen. Der Sprit dort ist eher so Kategorie „geht gerade noch“, und unser Iveco hat das beim letzten Mal ziemlich übel genommen. Immerhin läuft er inzwischen wieder halbwegs rund – die Fehlermeldung blenden wir einfach aus, solange er nicht in den Notlauf geht.





Steinkreise und zurück in den Senegal
Drei Tage später heißt es Abschied nehmen. Susanne und Hans-Peter bleiben noch auf der Südseite – sie haben Zeit und wollen noch ein bisschen Strand genießen. Für uns geht’s weiter Richtung Norden. Also rüber mit der Fähre ans Nordufer und dann weiter Richtung Grenze bei Farafenni.
Über die Fähre hatten wir im Vorfeld einiges gehört – von überteuerten Tickets bis zu kleinen „Extras“, die man zahlen soll. Dank Assan läuft bei uns alles entspannt: Er bringt uns hin, wir zahlen den normalen Preis, und weil der Wasserstand hoch genug ist, kommen wir problemlos rauf und wieder runter. Trotzdem: Morgens um 8 ist die Fähre rappelvoll – und wir sind mal wieder die Attraktion.




Unterwegs machen wir noch einen Stopp bei den Steinkreisen aus der Eisenzeit, den Senegambian stone circles. Unsere letzten Dalasi reichen eigentlich nicht mehr für den Eintritt, aber die Dame vor Ort lässt uns trotzdem rein. Drinnen erfahren wir, dass es sich um alte Grabstätten handelt – und dass es in der Region mehrere solcher Anlagen gibt. Diese hier ist dank UNESCO-Unterstützung besonders gut erhalten.
Weil wir früh dran sind, wagen wir noch am selben Tag den Grenzübertritt zurück in den Senegal. Die Ausreise aus Gambia? Kein Problem, alles in etwa 30 Minuten erledigt. Auf der anderen Seite wird’s dann etwas… komplizierter. Ein paar Beamte drücken uns gegen Gebühr einen fragwürdigen Stempel ins Carnet und erzählen uns, das sei so korrekt.
Kommt uns seltsam vor – und ist es auch. Also erstmal Internet an (danke Starlink), recherchieren, und siehe da: Wir haben schlicht das richtige Zollbüro übersehen. Also zurück, alles ordentlich stempeln lassen und Thema erledigt. Die Situation zeigt aber mal wieder, wie wichtig es ist, bei solchen Dingen genau hinzuschauen – schließlich hängt daran auch ordentlich Geld.
Für heute reicht’s. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen, finden einen riesigen Baum, der uns Schatten spendet, und beschließen: Genau hier bleiben wir jetzt einfach. Am Abend schlendern noch Husarenaffen am Auto vorbei auf der Suche nach Fressbarem.





Georgetown
Wir verlassen unser kleines, perfektes Plätzchen an der Plattform über dem Gambia-Fluss – so ein Ort, an dem man eigentlich noch Tage bleiben könnte. Bevor es weitergeht, stoppen wir nochmal bei MJ, füllen unsere Wasservorräte auf und bekommen von ihm die restlichen Baobab-Früchte in die Hand gedrückt. Jetzt, wo wir wissen, wie man daraus Saft macht, gibt’s kein Entkommen mehr.
Die Straße führt uns über die South Bank Road nach Georgetown – oder besser gesagt nach Janjanbureh, wie die Stadt heute heißt. Eigentlich hatten wir vor, uns am Stadtrand irgendwo frei hinzustellen. Aber daraus wird nichts: Assan kommt aus seinem Haus, winkt uns energisch zu sich und erklärt, dass wir dort auf keinen Fall übernachten sollten. Der Grund? Nachts kommen hier wohl regelmäßig Flusspferde aus dem Wasser und spazieren durch die Reisfelder. Klingt erstmal faszinierend – ist aber wohl ziemlich gefährlich.
Also landen wir kurzerhand auf seinem Campingplatz direkt am Fluss. Und was sollen wir sagen: Volltreffer. Alles super gepflegt, ruhig gelegen und mit direktem Zugang zum Wasser. Assan selbst ist sowieso ein Glücksgriff – herzlich, aufmerksam und einfach ein richtig guter Gastgeber. Wir fühlen uns sofort wohl.
Am Abend drehen Susanne und Sandra noch eine Runde mit Quappo. Lange dauert es nicht, bis sie von aufgeregten Dorfbewohnern gestoppt werden. Viel verstehen wir nicht, aber ein Wort fällt immer wieder: Kobra. Und ja – Schlangen gibt es hier tatsächlich. Wir hatten vorher schon Zeichnungen im Sand gesehen. Während wir also durch trockenes Laub stapfen und nebenbei Mangos suchen, wird uns klar: Das war heute wohl eher Glück als Verstand, dass wir keiner begegnet sind.







Am nächsten Tag zeigt uns Assan „sein“ Janjanbureh. Für uns wird extra ein kleines Museum geöffnet, und ein Freund von ihm erklärt uns alles über die Kultur der umliegenden Völker. Besonders spannend: die Maskenfiguren. Wer sich hinter den Masken verbirgt, wissen nur wenige Männer – Frauen dürfen es traditionell nicht erfahren. Die Masken stehen oft für weise Männer, die wichtige Aufgaben im Dorf übernehmen, etwa bei Streitigkeiten.
Später stehen wir vor dem sogenannten Freedom Tree. Ein Ort mit schwerer Geschichte: Sklaven, die diesen Baum berührten, galten als frei. Nur – der Weg dorthin war damals fast unmöglich.
Natürlich geht es auch aufs Wasser. Assan hat ein Boot, und wir schippern einmal rund um die Insel auf dem Gambia River. Die Mission: Krokodile, Flusspferde und – wenn’s perfekt läuft – ein Waran. Spoiler: Wir sehen fast kein einziges Tier. Aber ehrlich? Die Fahrt allein ist schon Grund genug. Das ruhige Wasser, die Ursprünglichkeit, diese Weite – manchmal braucht es gar keine spektakulären Sichtungen.
Abends sitzen wir wieder am Flussufer, essen im Mondschein unter freiem Himmel und genießen das Leben. Assans Schwester hat für uns gekocht, und es ist einfach nur richtig gut.







Dorfleben
Im Dorf läuft gerade eine dreitägige Hochzeitsfeier – und wir sind natürlich eingeladen. Also sitzen wir am nächsten Tag wieder auf der Ladefläche und mittendrin im Geschehen. Wir besuchen die Familien, lernen die Braut kennen, Trommeln, Tanzen – alles dabei. Und irgendwie sind wir selbst fast die größere Attraktion.
Zu essen gibt’s natürlich auch wieder reichlich. Und als wir fragen, was man eigentlich mit den Früchten des Baobab-Baums macht, wird nicht lange erklärt – sondern direkt gezeigt. MJ klettert hoch, wir sammeln die Früchte ein. Innen trocken, fast wie große Nüsse. Mit Wasser verrührt entsteht eine cremige Masse, gesüßt mit Zucker oder Banane. Überraschend lecker.
Irgendwann zieht uns die Hitze dann doch den Stecker, und wir verziehen uns zurück zu unserem Stellplatz. Ein bisschen Ruhe, Route planen, durchatmen.
Aber genau solche Tage sind es, die hängen bleiben: echte Begegnungen, Einblicke ins Dorfleben – und das Gefühl, nicht nur durch ein Land zu reisen, sondern wirklich ein Teil davon zu sein.








Baboon Island
Nächster Stopp: Baboon Island – eines der Highlights im Land. Klingt nah, ist es theoretisch auch, aber bei durchschnittlich 50 km/h zieht sich jede Strecke. Die Straßen sind immerhin okay. Unser Plan: beim Schimpansen-Rehabilitationszentrum übernachten. Wir fragen im Vorfeld an, die Antwort…? Sagen wir mal… nicht ganz eindeutig.
Also fahren wir einfach hin. Die letzten Kilometer führen über schmale, zugewachsene Wege – Slalomfahren inklusive. Besonders spannend für Hans-Peter mit seinem ausgewachsenen LKW. Vor Ort heißt es dann: Übernachten geht nicht, aber es gibt eine Plattform am Fluss. Klingt gut – nur der Weg dorthin soll schwierig sein.
Auftritt MJ. Er hält uns am Weg an, stellt sich als Guide vor und bietet an, uns hinzubringen. Kurz Platz im Auto für ihn gemacht und los geht’s wieder durchs Gestrüpp. Ein paar Kratzer später stehen wir an einem richtig schönen Spot direkt am Fluss.
Die Bedingung: Wer hier steht, bucht auch eine Bootstour mit der Community. Deal. Am nächsten Morgen werden wir stilecht mit einem Lastendreirad abgeholt – alle auf die Ladefläche und ab zum Boot.
Und die Tour? Absolut genial. Mit MJ, der die Gegend wie seine Westentasche kennt (sein Vater war am Aufbau des Nationalparks beteiligt), entdecken wir Paviane, Meerkatzen, jede Menge Schimpansen und sogar Flusspferde. Dazu gibt’s eine kleine Vogelkunde on top. Wirklich ein Highlight.
Auf dem Rückweg stoppen wir noch bei MJs Mutter und decken uns mit frischen Mangos ein – besser geht’s kaum













neue "Autobahnen" und ländliche Community
Bevor wir uns komplett ins Landesinnere verabschieden, wollen wir zumindest einmal kurz in Banjul vorbeischauen. Die Hauptstadt liegt auf einer Halbinsel – viel Platz zum Wachsen gibt’s hier nicht, und ehrlich gesagt haut sie uns auch nicht wirklich vom Hocker. Viele kommen zum Arbeiten her und verschwinden danach wieder in die Vororte. Entsprechend schnell ist man mit dem „Sightseeing“ durch.
Also geht’s für uns weiter – immer an der Küste entlang auf der neuen Schnellstraße. Hier wurde ordentlich investiert (unter anderem von den Saudis), aber so richtig auf die Anwohner hat man beim Bau wohl nicht geschaut. Der Küstenstreifen ist dicht besiedelt, doch wir wollen mehr sehen und schlagen den Weg Richtung Osten ein.
Vom Gambia River bekommen wir leider gar nicht so viel zu sehen. Stattdessen wird die Landschaft immer trockener, karger – und vor allem heißer. Kaum entfernen wir uns von der Küste, knackt das Thermometer wieder die 40-Grad-Marke. In fast jedem Ort warten Kontrollposten von Militär, Polizei oder Zoll. Klingt erstmal stressig, ist es aber gar nicht: Die Begegnungen sind meistens super entspannt, oft endet alles in einem kleinen Plausch. Man merkt einfach, dass sich die Leute freuen, wenn Reisende ihr Land wirklich erkunden.
Unser erstes Lager schlagen wir in Tumani Tenda auf – ein kleines Community-Camp mitten in den Mangroven. Alles hier wird gemeinsam organisiert, und die Einnahmen fließen direkt zurück ins Dorf. Die Ruhe ist unglaublich, und gleichzeitig sind die Menschen total offen. Wir werden direkt zum Essen eingeladen, sitzen zusammen, essen (wie hier üblich) mit den Händen aus einer großen Schüssel. Männer und Frauen getrennt, Couscous als Basis, dazu ein bisschen Fleisch und Gemüse – verteilt von den Dorfältesten. Einfach, aber richtig gut.
Natürlich bleibt es nicht nur beim Essen: Sandra bekommt direkt handgemachten Schmuck gezeigt – ein bisschen Verkauf gehört eben auch dazu. Wir bleiben zwei Nächte hier, auch weil wir uns mit Susanne und Hans-Peter erneut treffen wollen, die aus dem Senegal nachkommen.
Am nächsten Tag geht’s weiter ins Landesinnere. Die beiden sind schon da, entspannt im Schatten eines riesigen Baumes. Wir haben von einem gewissen Steve gehört – einem Schotten, der hier irgendwo ein Café samt Campingplatz eröffnet hat. Angeblich gibt’s dort richtig gute Pizza. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen.
Der Abend mit Steve ist legendär. Der Mann hat Geschichten ohne Ende auf Lager. Die Nacht allerdings… eher weniger legendär. Sein Café liegt eigentlich ideal, nämlich genau an zwei der wichtigsten Verkehrsachsen des Landes. Leider hat man ihm vor drei Tagen einen Speed Bump direkt vor die Tür gesetzt – eigentlich hätte der 500 Meter weiter vor die Schule gehört, damit die Kinder sicher die Straße queren können. Ergebnis: Die ganze Nacht bremsen Autos, rumpeln über die Schwelle und geben wieder Gas. Live-Konzert inklusive. Wir haben kaum ein Auge zugemacht.



Wir kommen in Gambia an
Nach drei Tagen Durchschnaufen heißt es wieder: zusammenpacken, Motor an und raus aus der Esperanto Lodge. Wir krabbeln den schmalen Weg zurück in die senegslesische Realität – das nächste Abenteuer wartet schon.
Unser Kurs zeigt nach Norden, und nach etwa einer Stunde stehen wir an der Grenze zum kleinen, aber spannenden Gambia. Schon hier merken wir: Das wird anders. Endlich können wir uns auf Englisch unterhalten – und zwar richtig. Kein Gestikulieren, kein Improvisieren, sondern echte Gespräche. Ziemlich befreiend.
Der Grenzübertritt selbst? Überraschend unkompliziert. In Senegal kurz alles abstempeln lassen, auf der gambischen Seite wieder neuen Stempel abholen – fertig. Naja, fast. Weil Gambia beim Thema Drogen (und allem, was danach aussieht) sehr strikt ist, wird unser Wohnmobil einmal gründlich unter die Lupe genommen. Besonders unsere Reiseapotheke sorgt für Interesse. Wir erklären brav jedes einzelne Medikament – und ernten am Ende ein Lächeln. Der Beamte ist super freundlich und ehrlich gesagt viel mehr von unserem Auto fasziniert als von unserem Inhalt.
Weiter geht’s Richtung Banjul – und was sollen wir sagen: Polizeikontrollen gibt’s hier wie Sand am Meer. Aber statt Stress erleben wir etwas ganz anderes. Viele Polizisten winken uns raus, aber nicht für Kontrollen. Sie wollen einfach quatschen. Sind neugierig, freuen sich, dass wir als Deutsche ihr Land wirklich bereisen und nicht nur durchrauschen. Ein kurzer Plausch hier, ein Lächeln da – und wir fahren jedes Mal ein Stückchen glücklicher weiter.
In Sukunta landen wir schließlich auf einem Campingplatz, geführt von einem deutschen Ehepaar – irgendwie auch ein kleines Stück Heimat mitten in Westafrika.
Nach so viel Sitzen ruft die Bewegung, also machen wir uns auf Richtung Innenstadt. Eine Sache liegt uns besonders am Herzen: Wir wollen Colins übrige Medikamente loswerden – und zwar sinnvoll. Bei einem belgischen Tierarzt werden wir fündig, und man sieht sofort, dass die Sachen dort wirklich gebraucht werden. Das fühlt sich richtig gut an.
Danach zieht es uns weiter zum Affenpark an der Küste. Die Tiere sind erstaunlich zutraulich – fast schon frech – und wir könnten ewig einfach nur dasitzen und zuschauen. Irgendwann geht’s weiter über den Künstlermarkt. Bunte Stände, entspannte Menschen, überall ein freundliches „Hello“ – die Atmosphäre ist einfach ansteckend.
Und dann: Hunger. Richtig Hunger. Wir stolpern in eine Tapasbar – und plötzlich ist sie da, diese Sehnsucht nach Dingen, die wir ewig nicht hatten. Ein frisch gezapftes Bier. Kleinigkeiten zum Snacken. Ganz ehrlich: selten hat sich so etwas so gut angefühlt.
Frisch gestärkt geht’s noch schnell in den Supermarkt. Die Auswahl? Naja… sagen wir: ausbaufähig. Viel Alkohol, viele Konserven – frische Sachen eher Mangelware. Aber gleich nebenan finden wir einen Gemüsestand, der endlich mal mehr als nur eine Sorte anbietet. Kleiner Sieg! Insgesamt wirkt das Angebot hier etwas vielfältiger als im Senegal, wo die Stände oft eher „Monokultur“ betrieben haben. Einkaufen war dort fast schon eine kleine Schnitzeljagd.
Zufrieden für heute springen wir ins TukTuk und lassen uns zurück zum Campingplatz bringen. Ein letzter Fahrtwind im Gesicht, ein letzter Blick auf die bunten Straßen – und dann ist erstmal Schluss für den Tag.
Morgen geht’s weiter ins Landesinnere.










Esperanto Lodge in Kafountine
Am nächsten Tag wieder zurück auf die Holperpiste, Richtung Atlantik. Ziel: die Esperanto Lodge in Kafountine, von der uns schon einige vorgeschwärmt haben. Die letzten Kilometer dorthin sind ein kleines Abenteuer für sich. Der Weg wird enger, kurviger, teilweise ziemlich vermüllt – und ehrlich gesagt zweifeln wir zwischendurch, ob wir noch richtig sind. Aber immer wieder taucht ein kleines Schild auf: doch, passt schon.
Und dann stehen wir plötzlich vor der Lodge – und trauen unseren Augen kaum. Neben uns: ein riesiger 6×6 Actros. Wir erfahren später, dass er für die letzten Kilometer fünf Stunden gebraucht hat… inklusive Äste absägen. Respekt.
Die Lodge selbst? Einfach ein Traum. Einer der schönsten Spots, die wir bisher im Senegal gesehen haben. Über einen Steg geht’s direkt zu einem weißen, menschenleeren Strand. Ruhe, Natur, Vogelgezwitscher – genau das, was man sich wünscht. Dazu eine richtig schöne Bar mit Restaurant.
Hier könnte man definitiv länger bleiben.














Auf dem Weg Richtung Gambia - Vision Baila 2040
Wir verlassen unseren Stellplatz am Pointe Saint Georges – ein bisschen wehmütig, aber auch gespannt, was vor uns liegt. Gleich der erste Stopp hat’s in sich: eine Aussichtsplattform mitten in den Baumwipfeln. Hoch kommt man nur über eine ziemlich abenteuerliche, 25 Meter lange Strickleiter. Überraschung: Nur Susanne zieht das durch. Der Rest von uns bleibt lieber unten und schaut hoch, während sie oben die Aussicht über den Fluss und das endlose Grün genießt.
Danach geht’s weiter entlang der Casamance-Mündung bis zu einem Campingplatz in Elkine. Hier kommt es zu einem Wiedersehen mit Martina und Volker. Klar, dass wir erstmal zusammensitzen, Geschichten austauschen und weitere Pläne schmieden. Aber unsere Wege trennen sich erstmal wieder: Während Susanne und Hans-Peter noch ein paar Tage in der Region bleiben wollen, zieht es uns weiter Richtung Gambia.
Also zurück nach Ziguinchor, schnell noch die Carte Brune fürs Auto verlängern und dann rüber über den Casamance-Fluss. Ab hier wird’s… sagen wir mal: rustikaler. Die Straßen werden zunehmend schlechter, wir fahren durch Mangroven und Schwemmland, alles ist voller Wellen und Schlaglöcher. Die Strecke zieht sich ordentlich, und irgendwann reicht’s – wir suchen uns einen Schlafplatz und landen in Baila.
Dort treffen wir auf eine Gruppe junger Männer mit großen Plänen: „Vision Baila 2040“. Klingt ambitioniert – und ein bisschen charmant chaotisch. Eine Strandbar am Fluss gibt’s schon, der Platz ist sauber, der Empfang herzlich. Eigentlich sind alle gerade am Essen, aber zack – sitzen wir ungefragt mit am Tisch, Löffel in die Hand gedrückt, und los geht’s. Geschaufelt wird aus einer gemeinsamen Schüssel. Diskussion zwecklos. Aber ehrlich: richtig lecker war’s.
Am Abend geht’s nochmal zur Strandbar. Luxus ist hier relativ – das Essen wird per Moped aus dem Dorf geholt. In einer Hand die Schüssel, in der anderen eine Taschenlampe (das Moped hat natürlich kein Licht), und irgendwie wird trotzdem gefahren. Nebenbei läuft Reggae, ein paar Jungs sind ziemlich entspannt unterwegs – willkommen in der Casamance. Die Stimmung ist locker, herzlich, und wir fühlen uns total willkommen.








Am Casamance Fluss mit Seekühen und Delfinen
Irgendwie hatte alles eine umfassende Grundreinigung nötig – innen wie außen. Nach den vielen sandigen Pisten in Guinea-Bissau steckt der feine, rote Staub wirklich überall. In jeder Ritze, in jeder Tasche, einfach hartnäckig präsent. Also bleiben wir erstmal zwei Tage auf dem Campingplatz, schrauben, putzen, waschen, Tanks und Kühlschränke füllen – ganz normales Reiseleben eben.
Danach zieht es uns weiter in die Casamance. Unser Plan: ein paar entspannte Tage am Fluss, einfach mal nichts tun. Das Ziel ist Pointe Saint Georges, ein kleiner Ort, der überraschend gut erreichbar ist. Dort soll es eine unterirdische Quelle geben, an der man mit etwas Glück afrikanische Seekühe sehen kann. Und in dem fischreichen Wasser jagen wohl auch Delfine – klingt fast zu gut, um wahr zu sein.
Wir schlagen unser Lager auf und stehen am nächsten Morgen früh auf. Je niedriger das Wasser, desto besser die Chancen. Und tatsächlich: Immer wieder taucht irgendwo ein Kopf auf, ein Nasenloch, eine Flosse – und zack, schon wieder weg. Fotografieren? Fast unmöglich. Viel zu schnell, viel zu scheu. Aber wir nehmen, was wir kriegen – und allein das Beobachten macht schon richtig Spaß.
Und dann, gegen Mittag, plötzlich Bewegung im Wasser: Delfine! Mehrere gleichzeitig, deutlich entspannter unterwegs als die Seekühe. Diesmal klappt’s auch mit ein paar guten Fotos – ein ziemlich perfekter Moment.
Was den Ort aber fast noch besonderer macht, sind die Menschen hier. Total freundlich, unaufdringlich, einfach entspannt. Genau die richtige Atmosphäre, um selbst runterzukommen. Wir bleiben ein paar Tage länger als geplant, hängen am Fluss rum, gehen baden, lesen, basteln an der Homepage, üben weiter Französisch – und überlegen ganz in Ruhe, wo es als Nächstes hingeht.










Es geht dann doch schneller zurück als gedacht
Schon während der Fahrt durch Bissau merken wir: Hier stimmt was nicht. Vor den Tankstellen ziehen sich lange Schlangen, Leute stehen mit Kanistern herum, einige Tankstellen sind komplett dicht. Schnell wird klar, was los ist: Diesel ist knapp. Die Auswirkungen der aktuellen Irankrise und die Sperrung der Straße von Hormus haben hier große Auswirkungen. In so einem armen Land viel stärker als in Europa.
Die Regierung steckt in der Zwickmühle – Preise müssten eigentlich rauf, aber das kann sich ein Großteil der Bevölkerung schlicht nicht leisten. Und in einem Land, in dem die Lage ohnehin angespannt ist, kann so etwas schnell kippen. Kein Wunder: Erst am 26. November 2025 hat das Militär die Macht übernommen, den Präsidenten abgesetzt und die Verfassung außer Kraft gesetzt. Versprochen sind Neuwahlen nach einem Jahr – aber wie stabil die Lage bis dahin bleibt, weiß niemand. Ausgangssperren oder neue Einschränkungen? Jederzeit möglich.
Für uns ist ziemlich schnell klar: Das Risiko gehen wir nicht ein. Wir drehen um und machen uns wieder auf den Weg Richtung Senegal. Dort fühlen wir uns sicherer. Zwei Tage planen wir für die Rückfahrt ein – da es keine Alternative ohne große Umwege gibt, auf der gleichen Strecke zurück nach Ziguinchor. Stranden wollen wir hier natürlich auch nicht.
Unterwegs gibt’s dann noch ein kleines Wiedersehen: Die beiden Motorradfahrer aus München, die wir in der Zebrabar getroffen hatten. Ihr gebrochener Rahmen ist inzwischen geflickt, Motorrad wieder zusammengebaut, die Stimmung wieder oben – und sie ziehen weiter Richtung Süden. Irgendwie schön zu sehen, wie sich Wege auf Reisen immer wieder kreuzen.
Es geht in die Hauptstadt












Uns steht der Sinn nach etwas mehr als nur Strand – wir wollen tiefer ins Land eintauchen. Also heißt es wieder: ab auf die Piste, Richtung Inland. Unser Ziel: die Hauptstadt Bissau.
Die 170 Kilometer dorthin klingen auf dem Papier machbar, aber die Realität sieht anders aus. Für die ersten 50 Kilometer brauchen wir ganze drei Stunden – Wellblechpiste, Auswaschungen, einfach alles dabei. Danach beginnt zwar die Teerstraße, die wichtigste Verbindung in Richtung Hauptstadt, aber wirklich schneller wird’s auch hier nicht. Riesige Schlaglöcher und ausgefahrene Straßenränder machen zügiges Vorankommen unmöglich.
Wir entscheiden uns deshalb ganz entspannt für einen Zwischenstopp. Die Strecke selbst macht das leicht: dichte Wälder wechseln sich ab mit Palmen, Mangobäumen und Cashewbäumen. Zwischendurch tauchen immer wieder Mangrovenwälder in den riesigen Flussdeltas auf, die sich durchs Land ziehen – richtig beeindruckend. Und ganz nebenbei: Cashewnüsse sind hier tatsächlich das wichtigste Exportgut.
Am zweiten Tag liegen noch etwa 40 Kilometer vor uns – klingt nach einem Katzensprung, wäre da nicht die Dauerbaustelle. Die Straße ist streckenweise komplett verschwunden und zieht sich gefühlt bis an den Stadtrand. Doch dann plötzlich: ein letzter Kreisverkehr – und zack, wir rollen auf eine sechsspurige Einfallstraße. Willkommen in Bissau. Und mit einem Schlag ist es wieder da: das typische afrikanische Gewusel.
Große Pläne haben wir für den Tag nicht mehr. Schnell noch in den Supermarkt und dann ab zum Campingplatz. Der entpuppt sich allerdings eher als Baustelle mit Übernachtungsmöglichkeit – nicht gerade ein Ort, an dem man länger bleiben möchte. Aber gut, für eine Nacht passt das schon.
Am nächsten Tag ist Ostersonntag, also machen wir uns auf in die Altstadt. Wir hatten uns ein bisschen mehr von der portugiesischen Kolonialarchitektur erhofft, aber davon ist leider nicht mehr allzu viel übrig. Entsprechend sind wir auch ziemlich schnell durch.
Ein kurzer Abstecher zum Kunstmarkt darf trotzdem nicht fehlen. Allerdings sind wir früh dran und fast die einzigen Besucher – was bedeutet: volle Aufmerksamkeit von allen Seiten. Nach kurzer Zeit wird das eher anstrengend als entspannt.
Also haken wir die Stadtbesichtigung ab und machen uns auf den Weg zu einem anderen Campingplatz. Diesmal mit einem klaren Ziel vor Augen: ein Pool.
Varela - Ein Strandspaziergang










Ein paar Kilometer von unserem Stellplatz entfernt gibt es eine riesige Pelikankolonie – klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen. Also schnell in die Flipflops geschlüpft und losgezogen. Immer am Strand entlang. Unterwegs bekommen wir wie so oft Gesellschaft von den Dorfhunden. Die sind uns in den letzten Tagen richtig ans Herz gewachsen und mittlerweile so zutraulich, dass wir ihnen sogar den letzten Rest von Colins Zecken- und Flohschutz verpassen konnten. Hat ihnen sichtlich gutgetan – und uns irgendwie auch.
Ansonsten läuft hier alles angenehm entspannt. Kein großes Programm, einfach treiben lassen und genießen.
Am Abend schauen wir noch beim Fischer nebenan vorbei. Seine Frau zaubert uns aus dem Fang des Tages ein richtig leckeres Essen – frischer geht’s wohl kaum. Genau solche Momente sind es, die diese Reise so besonders machen.
Auf nach Guinea-Bissau!











Also, Sachen gepackt – und los geht’s Richtung Guinea-Bissau. Hans-Peter und Susanne sind auch auf dem Sprung und kommen spontan mit. Bevor wir die Grenze ansteuern, gibt’s noch den obligatorischen Tankstopp und ein Abstecher zum Bäcker – endlich mal wieder richtig gutes Brot!
Bis zur Grenze sind es gerade mal 15 Kilometer, also ein Katzensprung. Der Übergang selbst? Klein, entspannt, fast schon verschlafen. Die Beamten wirken tiefenentspannt und sind mehr mit ihren Handys beschäftigt als mit uns. Wir klappern die üblichen Stationen ab, sammeln unsere Stempel für die Ausreise aus dem Senegal und die Einreise nach Guinea-Bissau – inklusive Carnet natürlich. Und zack, nach nicht mal einer Stunde ist alles erledigt. Und übrigens, wieder eine neue Sprache. Hier wird Portugisisch gesprochen. Wenigstens bleibt die Währung gleich.
Dann noch schnell die Straßennutzungsgebühr zahlen – wofür genau, bleibt allerdings ein kleines Rätsel. Straßen sind hier nämlich eher… sagen wir mal: optional. Wenn es Asphalt gibt, dann meistens mit mehr Schlaglöchern als Straße. Aber hey, vielleicht werden wir ja noch positiv überrascht im Laufe der Reise.
Unser Ziel: Varela. Dort warten schon Martina und Volker auf uns, mit denen wir ja schon in Mauretanien unterwegs waren. Die beiden sind seit zwei Wochen im Land und haben sich einen ziemlich traumhaften Platz am Strand gesichert.
Der Weg dorthin hat es allerdings in sich: 50 Kilometer Piste durch dichten, sattgrünen Wald, immer wieder unterbrochen von Mangroven, Überschwemmungsflächen und weiten Graslandschaften. Hier und da tauchen kleine Dörfer in traditioneller Bauweise auf – richtig schön ursprünglich. Für die Strecke brauchen wir gut drei Stunden, aber ganz ehrlich: jede Minute davon lohnt sich.
Und dann… der Strand. Weißer Sand, super sauber, keine Menschenseele weit und breit. Der Atlantik zeigt sich heute von seiner sanften Seite und lädt direkt zum Reinspringen ein – was bei knapp 40 Grad auch mehr als willkommen ist. Zum Glück weht am Strand immer eine leichte Brise, und nachts kühlt es angenehm ab. Wir merken: So langsam gewöhnen wir uns echt an die Hitze.
Martina und Volker sind übrigens nicht allein geblieben – ein paar andere Overlander haben sich dazugesellt. Am Ende stehen wir mit fünf Fahrzeugen zusammen und bilden so eine kleine, ziemlich coole Community. Es wird gequatscht, Erfahrungen werden ausgetauscht, Tipps weitergegeben – genau das, was solche Reisen nochmal besonders macht.
Fazit: absoluter Traumspot. Wir bleiben erstmal.
Ziguinchor






In Ziguinchor kommen wir eigentlich nur mit einem simplen Plan an: schnell Vorräte auffüllen und dann wieder irgendwo ruhig am Casamance-Fluss verschwinden. Tja… und dann stehen wir plötzlich vor dem Campingplatz „Casamance“. Parkähnlich angelegt, viel Grün, ein Pool – und irgendwie genau das, was wir gerade brauchen. Ohne groß nachzudenken bleiben wir einfach.
Die nächsten Tage drücken wir bewusst auf Pause. Ein bisschen durchatmen, die Gedanken sortieren, wieder irgendwie Boden unter den Füßen bekommen. Wir merken selbst: Uns ist die Orientierung abhandengekommen, nicht nur auf der Route, sondern auch im Kopf. Also räumen wir das Wohnmobil auf, putzen, verstauen Colins Sachen. Klingt banal, aber genau das hilft gerade. Beschäftigt sein ist besser als Grübeln.
Am zweiten Tag rollt dann ein deutscher LKW auf den Platz – und mit ihm Susanne und Hans-Peter. Wir kennen uns flüchtig aus der Zebrabar, noch aus der Zeit, als Colin dabei war. Allein das bringt schon wieder einiges durcheinander im Kopf. Und dann ist da noch ihr Hund, ein Rhodesian Ridgeback. Erst denken wir: Puh, das könnte jetzt schwierig werden emotional. Aber es kommt ganz anders.
Der Ridgeback entpuppt sich als echter Seelentröster. Total sanft, ruhig, irgendwie spürt er wohl, dass bei uns gerade nicht alles rund läuft. Er sucht die Nähe, lehnt sich an, bleibt einfach da. Und genau das tut unglaublich gut. Wir sitzen den ganzen Abend zusammen, reden, lachen sogar mal wieder – und merken, wie uns das Ganze langsam wieder ein bisschen aufrichtet.
Irgendwann fassen wir einen neuen Entschluss: Trotz aller kleinen und größeren Baustellen am Iveco wollen wir weiter. Guinea-Bissau steht plötzlich im Raum. Also kümmern wir uns in Ziguinchor um ein Visum – und sind ehrlich gesagt ziemlich baff, wie unkompliziert das läuft. Eine kurze WhatsApp an den Konsul, schnelle Antwort, rein ins Auto, hinfahren… und keine zehn Minuten später halten wir das Visum in der Hand.
Manchmal geht dann doch alles leichter als gedacht.
Und so haben wir auf einmal wieder ein Ziel vor Augen.
Entlang des Casamance Flusses





Schweren Herzens reißen wir uns schließlich los von Colins Grab. Wir halten es hier nicht mehr aus – als würde jede Minute das Ganze nur noch schwerer machen. Also sagen wir ein letztes Mal leise Goodbye. Der Campingplatzbesitzer verspricht uns, gut auf alles aufzupassen. Ein kleiner Trost, den wir gerade gut gebrauchen können.
Wir lenken unseren Blick – und das Auto – Richtung Westen, immer am Casamance-Fluss entlang. Zumindest theoretisch. In Wirklichkeit fahren wir ziemlich in uns gekehrt vor uns hin, verpassen die ganze Schönheit um uns herum und übersehen prompt einen dieser gewaltigen Speedbumps. Rums. Das hat gesessen. Später merken wir: nicht ohne Folgen. Und als ob das nicht reicht, meldet sich auch noch wieder diese altbekannte Fehlermeldung vom Iveco zurück. 800 Kilometer Ruhe – das war wohl schon das Höchste der Gefühle. Irgendwas ist halt immer.
Langsam verändert sich die Landschaft. Aus trockener Savanne wird plötzlich sattes Grün, Palmen tauchen auf, Mangobäume – fast schon tropisch. Und irgendwann schaffen wir es auch wieder, das alles wahrzunehmen. Wir schlagen unser Nachtlager am Casamance-Fluss auf, irgendwo bei Kolda, wo er noch schmal und ruhig dahinzieht. Seerosen treiben auf dem Wasser, eigentlich richtig schön… wenn da nicht diese drückende Hitze wäre. Und als wir unser Auto inspizieren, sehen wir: Der Ersatzradträger hat auf beiden Seiten Risse an den Schweißnähten. Shit. Vermutlich unser kleiner Speedbump-Moment von vorhin. Ehrlich jetzt? Das hätten wir gerade echt nicht gebraucht.
Am nächsten Morgen geht’s also zurück nach Kolda – auf der Suche nach einem Schweißer. Davon gibt’s hier zum Glück einige. Qualität… naja, sagen wir mal: ausbaufähig. Aber hilft ja nix. Wir lassen das Ganze provisorisch flicken, Hauptsache, wir kommen erstmal weiter. Die große Reparatur verschieben wir auf irgendwann später. Irgendwie wird’s schon weitergehen.
Colin
















In der Nacht, als wir eigentlich längst im Bett lagen, wurde Colin plötzlich unruhig. Erst dachten wir noch, es ist nichts Dramatisches – aber dann musste er sich übergeben. Also wieder raus mit ihm in die warme Nacht. Er versuchte es noch ein paar Mal, aber da kam nichts mehr. Kurz darauf wirkte er wieder etwas ruhiger, und wir hofften, es legt sich einfach.
Tat es nicht.
Irgendwann sind wir davon aufgeschreckt, dass er in Panik durch das Fliegengitter nach draußen gesprungen ist. Das hat uns sofort alarmiert – die letzten Tage hatte er sich ja kaum noch getraut, seine Rampe runterzugehen. Und jetzt dieser plötzliche Sprung? Da wussten wir: Hier stimmt was ganz und gar nicht.
Es ging ihm richtig schlecht. Schaum vor dem Maul, schwere Atmung, sein Bauch aufgebläht und hart. Wir haben uns die ganze Zeit gefragt, ob er irgendwas gefressen haben könnte – aber das war eigentlich ausgeschlossen. Er war den ganzen Tag bei uns.
Die Nacht zog sich endlos. Wir saßen einfach bei ihm, haben ihn gehalten, ihm gut zugeredet – aber konnten nichts tun. Kein Tierarzt weit und breit, keine Möglichkeit, Hilfe zu holen. Dieses Gefühl, komplett hilflos daneben zu stehen, war kaum auszuhalten. Und mit jeder Stunde wurde er schwächer.
Gegen 9 Uhr morgens hat er es dann nicht mehr geschafft.
Wir vermuten, dass es eine Magendrehung war.
Und dann steht man da. Irgendwo im Nirgendwo. Mit diesem Verlust. Und muss trotzdem funktionieren, Entscheidungen treffen, weitermachen. Wir wollten ihn natürlich nicht einfach zurücklassen – also mussten wir einen Platz finden, um ihn zu begraben.
Aber selbst das war nicht einfach. Es wurde schnell wieder brütend heiß, und der Boden war überall steinhart. Mit dem, was wir dabei hatten, war an Graben kaum zu denken. Also sind wir losgefahren, auf der Suche nach irgendeiner Lösung.
Am Ende sind wir bei einem Hotel gelandet und haben einfach um Hilfe gebeten. Und was sollen wir sagen – die Menschen dort waren unglaublich. So hilfsbereit, so mitfühlend. Sie haben uns wirklich unterstützt, wo sie konnten. In diesem Moment hätten wir das alleine auch gar nicht mehr geschafft.
Trotz allem bleibt da dieses riesige Loch. Colin fehlt. Und auch wenn wir ihm einen guten Platz geben konnten, fühlt es sich falsch an, ihn dort zurückzulassen. Das geht uns nicht aus dem Kopf.
Colin, du warst ein toller Hund und hast unser Leben enorm bereichert. Unsere Reise muss nun ohne dich weitergehen.
Nationalpark Nikolo-Koba















Es geht weiter – und irgendwie haben wir das Gefühl, da fehlen noch ein paar richtig große Tiere auf unserer Reise. Also landet der Nationalpark Niokolo-Koba National Park wieder auf unserer Route. Der liegt ganz im Südosten des Landes, nahe der Grenze zu Gambia – genau da wollen wir hin.
Mit Colin sind wir zwar ein bisschen eingeschränkt und können keine klassischen Tagestouren in den Park machen, aber wir nehmen uns trotzdem vor, so viel wie möglich mitzunehmen. Ganz reinfahren ist nämlich gar nicht so einfach: Haustiere sind im Park tabu und man darf nur mit Guide unterwegs sein. Heißt für uns – ein bisschen improvisieren und schauen, was trotzdem geht.
Die Fahrt dorthin ist fast schon surreal. Die Straßen sind wie leergefegt. Kaum Autos, kaum Menschen. Der Grund: Das Zuckerfest wird hier gleich mehrere Tage gefeiert, und gefühlt ist das ganze Land noch im Feiertagsmodus unterwegs.
Wir landen auf dem Campingplatz Wassadougou – und fühlen uns erstmal wie die einzigen Menschen weit und breit. Der Platz liegt direkt am Gambia River, ziemlich idyllisch eigentlich. Und trotzdem: Vor ein paar Jahren stand hier alles unter Wasser. Kaum zu glauben, wenn man jetzt runter zum Fluss schaut – gute 20 Meter tiefer. Aber genau solche Momente zeigen einem ziemlich deutlich, was „Regenzeit“ hier wirklich heißt.
Ein paar Hütten sind bis heute nicht wieder aufgebaut. Dafür gibt’s zur Begrüßung ein ordentliches Naturkonzert: Affen, überall Affen. Die schreien, toben und schwingen sich durch die Bäume, als wäre das hier ihre private Bühne – was es ja irgendwie auch ist. Der Dschungel bestimmt den Rhythmus, sonst passiert… nichts. Absolute Ruhe. Auf der anderen Flussseite beginnt direkt der Nationalpark – gefühlt fängt das Abenteuer direkt hinterm Wasser an.
Die Temperaturen ziehen auch gut an: Tagsüber kratzen wir an den 38 Grad, nachts wird’s kaum unter 22. Also ja – schwitzen gehört hier einfach dazu.
Wir planen, zwei Tage zu bleiben. Am zweiten Tag laufen wir ein Stück am Fluss entlang, ein bisschen Tiere beobachten. Eigentlich entspannt… aber für Colin wird’s alles andere als das. Er hat wieder richtig Probleme beim Laufen. Seine Hüfte knickt weg, die Beine machen nicht mehr das, was sie sollen – er stolpert mehr, als dass er geht. Die HD setzt ihm ziemlich zu. Also brechen wir ab und gehen zurück zum Auto.
Es sollte Schlimmer kommen.
Rückfahrt oder doch nochmal in den Süden?









Ganz trauen wir unserem Iveco aber noch nicht. Beim letzten Trip in die Stadt ist er plötzlich von selbst aus dem Notlauf rausgesprungen – klingt gut, ist aber irgendwie auch… seltsam. Also testen wir das Ganze erstmal vorsichtig und fahren ins Landesinnere, gen Osten.
Unser Ziel: Touba. Dort steht die größte Moschee Nordafrikas und die Stadt ist ein riesiger Pilgerort für gläubige Muslime. Und wir landen natürlich genau zum Ende des Ramadans dort – Jackpot. Es ist brechend voll, überall Menschen, Trubel pur. Aber die Moschee? Wirklich beeindruckend.
Und das Beste: Der Iveco läuft. Ohne Mucken. Kleine Siege fühlen sich unterwegs einfach riesig an. Also treffen wir eine Entscheidung: Statt zurück nach Norden geht’s nochmal in den Süden. Abenteuer verlängert.
Wir haben genug vom Rumstehen auf Campingplätzen. Es kribbelt wieder in den Fingern – wir wollen raus. Also fahren wir einfach los und suchen uns für die Nacht ein ruhiges Plätzchen irgendwo im Busch, weit weg von der Straße.
Hier gibt’s wirklich nichts außer Natur. Colin kann sich wieder frei bewegen! Aber angesichts der Hitze von 35° krabbelt er lieber unter das Auto in den Schatten.
Am Morgen werden wir dann ganz unerwartet geweckt: Direkt um uns herum stehen mehrere Pferde und grasen seelenruhig
zurück in der Zebrabar nach Saint-Louis
















Geteiltes Leid ist halbes Leid – und genau dafür scheint die Zebrabar gemacht zu sein. Unter Overlandern aus aller Welt ist der Ort längst kein Geheimtipp mehr. Die Besitzer waren selbst jahrelang unterwegs und wissen ziemlich genau, was man auf der Durchreise braucht. Dazu gehört nicht nur ein kühles Getränk, sondern auch eine kleine mechanische Werkstatt.
Deshalb wundert es uns auch nicht, dass wir hier immer noch Thomas treffen. Als wir das letzte Mal hier waren, saß er schon seit 6 Wochen mit seinem Unimog fest, mit kaputten Bremsen. Nun ist er immer noch da. Irgendwelche ähnlichen Geschichten hat hier fast jeder auf Lager. Die einen fahren gen Süden, die anderen kommen von dort und wollen in den Norden.
Tagsüber sind die viele an ihren Autos am Werkeln, irgendwas ist immer zu tun. Neu dazu kommen zwei Motorradfahrer aus München. An ihrer KTM ist der Rahmen gebrochen – kein kleines Problem. Vermutlich werden sie jetzt auch erst mal ein paar Wochen hier verbringen und auf Teile warten.
Aber genau das macht den Ort irgendwie besonders. Man sitzt zusammen, tauscht Geschichten aus, hilft sich gegenseitig und merkt schnell: Man ist nicht allein mit seinen Pannen. Unter Gleichgesinnten fühlt sich das Warten plötzlich gar nicht mehr so schlimm an.
Während wir noch auf die Antenne warten, nutzen wir die Zeit sinnvoll – oder sagen wir: typisch unterwegs. Also nochmal ran an die schwer erreichbaren AdBlue-Düsen, ordentlich reinigen und durchspülen. Wenn man schon mal Zeit hat…
Nebenbei schauen wir uns Saint-Louis an. Die Altstadt ist zwar UNESCO-Weltkulturerbe, aber ehrlich gesagt: Von den alten kolonialen Gebäuden steht nicht mehr sooo viel. Ein paar sind echt schön restauriert, der Rest hat schon bessere Zeiten gesehen. Trotzdem hat der Ort irgendwie seinen eigenen Charme.
Zurück zum Alltag auf Rädern: Wir tauschen einmal die Reifen durch, damit auch die quasi neuen Ersatzreifen endlich mal Asphalt sehen. Dabei merken wir aber schnell – ganz ohne Schrauben geht’s halt nie. Die Halterung vom Ersatzrad hat nämlich ordentlich was abbekommen. Uns ist unterwegs das Halteband gerissen und wir hatten echt Glück, dass wir den Reifen nicht komplett verloren haben. Also: improvisieren, reparieren, weitermachen. Langweilig wird’s definitiv nicht.
Und dann – endlich! Nach fast drei Wochen trudelt die Antenne ein. Natürlich wird die direkt eingebaut, und wenn wir schon dabei sind, basteln wir uns gleich noch eine passende Halterung dazu. Läuft! Jetzt können wir wenigstens die Weiterfahrt halbwegs planen.
Eine Entscheidung muss getroffen werden



Eigentlich wollten wir ja längst weiter nach Gambia. Also packen wir zusammen und machen uns auf den Weg. Dafür müssen wir allerdings erst ein Stück ins Landesinnere fahren, denn die großen Flussdeltas von Saloum und Foundiougne liegen uns im Weg. Nur so können wir später an der Westküste nach Gambia einreisen.
Und wie sollte es anders sein: Unser Iveco meldet sich wieder mit Notlauf. Der Werkstattbesuch hat also… sagen wir mal… überschaubare Wirkung gezeigt.
Da wir sowieso keine allzu langen Strecken mehr fahren wollen, nutzen wir die Gelegenheit und suchen uns einen Übernachtungsplatz. An einem Seitenarm des Saloum werden wir fündig. Unter ein paar Akazien finden wir sogar etwas Schatten für das Auto – ein echter Glücksgriff. Wasser ist auch da, perfekt, um Colin ein bisschen abzukühlen. Das Thermometer klettert inzwischen auf 35 °C.
Rolf nutzt die Zeit und nimmt sich nochmal die Einspritzdüse vom AdBlue-System vor. Beim Iveco ist allerdings alles so verbaut, dass man ohne größere Schrauberei nur an eine der beiden Düsen rankommt. Also wird zumindest die gereinigt. Die anschließende Probefahrt bringt leider… nichts. Der Zustand bleibt unverändert.
Also bleibt nur wieder Fernwartung und ein Reset des Systems. Das klappt allerdings erst am nächsten Abend. Heißt für uns: Wir bleiben noch etwas länger hier. Uns stört das nicht – der Platz ist eigentlich ganz schön.
Irgendwann parken wir das Auto nochmal um, weil wir feststellen, dass wir offenbar direkt an der „Bushaltestelle“ im Nirgendwo stehen. Ab und zu kommen Boote an, bringen Leute oder Waren und fahren wieder weiter. Den Ablauf der Einheimischen wollen wir natürlich nicht blockieren. Also ziehen wir ein paar Meter weiter. Die Leute sind alle unglaublich freundlich und mit unseren eher überschaubaren Französischkenntnissen entstehen sogar kleine Gespräche. Aber klar ist auch: Wir sind hier die Gäste.
Am nächsten Abend klappt dann die Fernwartung. Dabei lernen wir, dass wir mit unserem Problem längst nicht allein sind. Offenbar kämpfen viele moderne Fahrzeuge mit genau solchen Themen – egal welcher Hersteller oder Fahrzeugtyp und egal in welchem Land. Selbst in Europa bleiben Reisende damit liegen. Und dort sind die Bedingungen für Reparaturen definitiv besser als hier in Afrika.
Also müssen wir irgendwann eine Entscheidung treffen. Der ständige Notlauf nimmt uns einfach die Leichtigkeit beim Reisen. Niemand kann sagen, wie lange das Auto so noch fährt – oder was als Nächstes passiert. Komplett stehen bleiben? Möglich wäre alles. Und in den Ländern, die vor uns liegen und zu den ärmsten der Welt zählen, wird die technische Versorgung sicher nicht besser.
Schweren Herzens entscheiden wir uns deshalb, wieder Richtung Norden zu fahren. Wir legen noch einen 2-tägigen Zwischenstop in Atlantiknähe ein, nach Fotografieren steht uns im Moment nicht der Sinn.
In die Zebrabar lassen wir uns eine Starlink-Antenne schicken, auf die wir noch einige Tage warten müssen. Damit haben wir wenigstens überall stabiles Internet – wichtig für Resets oder Supportanrufe. So können wir uns im Zweifel wenigstens selbst ein bisschen helfen. Immerhin: Das Auto fährt ja noch. Und eigentlich auch ganz ordentlich.
Und wie das manchmal so ist: Kaum haben wir beschlossen umzudrehen, benimmt sich der Iveco plötzlich wie Colin, wenn er merkt, dass wir nach Hause gehen wollen – er läuft wieder. Der Notlauf verschwindet sogar zeitweise von allein.
Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Ganz trauen wir dem Frieden noch nicht.
Wir ziehen weiter nach Süden







Nach ein paar Tagen ist es dann Zeit, weiterzuziehen, Richtung Gambia. Die Küste entlang geht es ziemlich langsam voran, die Gegend ist stark besiedelt. Aber etwa 50 km südlich finden wir einen neuen Stellplatz direkt an einem abgelegenen Strand. Eigentlich ganz einsam – bis wir Nico und Luna wieder treffen, die wir schon zwei Mal vorher gesehen haben. Für uns macht das freie Übernachten vieles leichter. Colin kann hier ohne Leine herumtollen und man merkt ihm an, wie er die Freiheit genießt. Wir müssen nur aufpassen, dass er nicht wie gewohnt ins Wasser springt. Der Atlantik ist eben kein sanftes Ostsee-Wasser, und die Wellen können einen ganz schön schnell umhauen.
Uns gefällt’s hier eigentlich ziemlich gut, also beschließen wir spontan, noch ein paar Tage zu bleiben. Außerdem brauchen wir auch einfach mal Zeit, um Bilder zu sortieren und Texte zu schreiben – sonst habt ihr ja nichts zu lesen.
Zwischendurch bekommen wir Besuch von der Polizei, die mit dem Quad den Strand abfährt. Die sind der Meinung, dass unser Platz nicht gerade der sicherste ist – das nächste Dorf liegt immerhin rund 15 Kilometer entfernt. Ihr Vorschlag: lieber umziehen. Als sie dann allerdings Colin in Aktion erleben und sehen, was für einen Lärm er machen kann, geben sie sich schnell zufrieden. Offensichtlich sind wir gut „gesichert“. Und tatsächlich: In den nächsten Tagen kommt hier draußen kaum jemand vorbei.
Wenn man ein paar Tage an einem Ort bleibt, fängt man irgendwann an, ein bisschen herumzustreifen. Dabei sieht man dann leider auch die weniger schönen Seiten. Wir stoßen auf mehrere große Schildkrötenpanzer. Da wird uns klar, was hier passiert: Während der Eiablage werden die Tiere gefangen und geschlachtet. Für uns ist das ein trauriger Anblick, aber hier gehört es noch zur Tradition. Und wahrscheinlich würden viele Senegalesen im Gegenzug auch über einige unserer Bräuche den Kopf schütteln.
Ein Tag im Reservat Bandia

















Natürlich wollen wir auch ein bisschen Wildlife erleben, also machen wir uns auf den Weg in den nahegelegenen Bahia Nationalpark. Auf der Fahrt dahin kommen wir an den gigantischen Baobabs (Affenbrotbäumen) vorbei, die einfach nur beeindruckend sind.
Manchmal schreibt das Reiseleben einfach die besten Geschichten – und diese hier beginnt ziemlich früh am Morgen, als wir in eine Polizeikontrolle geraten.
Ein Beamter winkt uns sehr bestimmt an den Straßenrand zur Visitation. Führerschein bitte. Sein Blick verrät: Das könnte jetzt dauern. Die Rechnung hat er nicht mit Colin gemacht, er entscheidet sich für seinen großen Moment. Mit beeindruckender Überzeugungskraft schaut er um die Ecke und lässt ein lautes, selbstbewusstes Gebelle hören.
Was danach passiert, geht schneller als wir schauen können: Der Beamte reicht uns umgehend den Führerschein zurück, nimmt Abstand vom Auto und bedeutet uns ziemlich deutlich, doch bitte schnellstens weiterzufahren. Kontrolle beendet. Diskussion beendet. Interesse beendet.
Wir rollen vom Straßenrand weg, schauen uns an – und brechen in schallendes Gelächter aus. Manchmal braucht es eben keinen langen Papierkram, sondern nur perfektes Timing und eine ordentliche Portion Charme auf vier Pfoten.
Wir kommen am Park an, leider darf der Hund nicht mit in den Park, also bleibt er im Wohnmobil zurück. Es sind gerade angenehme 28°C, und wir finden einen schattigen Platz für ihn, damit er es halbwegs kühl hat.
Im Park selbst geht’s dann richtig ab: Nashörner, Giraffen, Zebras, Antilopen, Strauße, riesige Schildkröten, Krokodile und Hyänen – so viele Tiere auf einem Fleck! Wir genießen es, durch den Park zu fahren und immer wieder neue Tierarten zu entdecken. Auf unserer bisherigen Reise ein echtes Highlight. Es war eines der großen Ziele die afrikanische Tierwelt zu bestaunen.
Somone






Unsere Reise führt uns nach Somone, südlich von Dakar, in das Sleeping Camel. Der Campingplatz ist noch im Aufbau, gerade erst im Dezember 2025 eröffnet. Trotzdem ist die Atmosphäre hier schon super entspannt, und obwohl wir quasi noch inmitten der Baustelle sitzen, treffen wir schon ein paar bekannte Gesichter: Overlander, die wir auf unserer Reise vorher schon öfter getroffen haben. Die Betreiber, Phil und Matt, haben selbst jahrelang die Welt bereist und heißen uns mit offenen Armen willkommen. Die nächsten Tage nutzen wir, um uns noch mehr Reisetipps auszutauschen. Es herrscht hier eine tolle Atmosphäre, sodass wir statt der geplanten 1-2 Nächte gleich 5 bleiben.
Die Gegend rund um Somone ist ziemlich touristisch, aber es ist aktuell noch nicht überlaufen. Die Strände sind sauber, und die kleinen Dörfer sind angenehm unaufgeregt. Somone ist an der Mündung des Somone River, umgeben von Mangrovenwäldern, Austernbänken und natürlich auch jeder Menge Tiere. Der perfekte Ort, sich vielseitig zu beschäftigen.
Rundreise Dakar mit Flucht zum sleeping Camel



Gas, AdBlue und Großstadt-Odyssee
Der nächste Tag steht im Zeichen der Versorgung:
Zum ersten Mal seit Nordafrika können wir unsere Gasanlage befüllen – Heizen und Kochen inklusive Warmwasser funktionieren damit. Die Station ist eigentlich nur für Taxis gedacht, doch der Manager erlaubt uns das Befüllen. Punkt eins erledigt.
Punkt zwei – AdBlue auf Vorrat kaufen – wird zur Stadtrallye.
Iveco hat nur einen 10-Liter-Kanister. Bei Toyota, Renault und Mercedes ernten wir fragende Blicke. Also quer durch Dakar zu einem Onlinehändler. Ergebnis: ausverkauft. Lieferung vielleicht in ein paar Monaten.
Nächste Adresse. Wieder quer durch die Stadt.
Diesmal Erfolg – allerdings muss die Ware erst aus dem Lager geholt werden. Zwei Stunden später halten wir endlich unsere Kanister in der Hand. Erleichterung.
Bisher keine neue Fehlermeldung im Iveco, Zuversicht macht sich breit.
Fazit Dakar
Eigentlich wollten wir noch einen Tag bleiben. Doch Stellplätze sind rar, die Hitze drückend und mit Hund sind Sightseeing-Touren eher kompliziert.
Also fahren wir am Nachmittag wieder raus aus der Stadt. Gen Süden stoppen wir an einem neuen Campingplatz, dem sleeping Camel.
Um ehrlich zu sein: Dakar hat uns nicht wirklich abgeholt. Vielleicht lag es an der Hitze. Vielleicht an der Werkstatt-Odyssee. Vielleicht daran, dass wir einfach reisemüde waren.
Aber genau das ist Overlanding. Grenzen, Brücken, andere Kulturen, Müll, rosa Seen, Bürokratie, Pannen – und immer wieder dieses Gefühl, unterwegs zu sein.
Iveco Dakar
Dakar – Großstadtmodus an
Am nächsten Morgen kämpfen wir uns durch den Verkehr von Dakar. Für 35 Kilometer brauchen wir zwei Stunden.
Die Regel lautet: Im Fluss bleiben und den eigenen Fahrplatz verteidigen. Wer zögert, verliert. Wer zu nett ist, steht.
Unser Ziel: der Iveco-Händler.
Der Tag wird… lang.
Schon für das Auslesen des Fehlerspeichers legen sie uns eine Proformarechnung von rund 250 Euro vor. Sportlich – besonders wenn man bedenkt, dass der Service in Agadir das zweimal kostenlos gemacht hat und wir für eine Ferndiagnose etwa 40 Euro zahlen.
Das Ergebnis? Die AdBlue-Fehler können sie gar nicht richtig auswerten. Die Software sei nicht zugänglich. Für sie läuft der Wagen ordnungsgemäß.
Wir bleiben hartnäckig. Der AdBlue-Tank soll gereinigt werden – wir vermuten hier die Ursache. Neue Proformarechnung: etwa 480 Euro. Diskussionen inklusive.
Rolf reinigt die Einspritzdüse lieber selbst, bevor weitere „Überraschungspreise“ auftauchen. Währenddessen läuft Sandra 15 Kilometer durch Dakar – von Geldautomat zu Geldautomat. Entweder existiert der Automat nicht mehr, ist leer oder spuckt nur Kleinstbeträge aus. Am Ende hat sie Erfolg. Und ordentlich Schritte gesammelt.
Der arme Schnuffi wartet derweil tapfer im Auto.
Wenn Überweisen kompliziert wird
Wir stoßen die Überweisung direkt an. Eigentlich wollen sie Bargeld – aber dafür müssten wir tagelang Automaten plündern.
Was wir nicht ahnen: Ein offizieller Iveco-Service, der LKW verkauft, hat offenbar Schwierigkeiten mit Banküberweisungen. Mehrfach erklären wir, dass internationale Überweisungen dauern können. Zeigen Belege. Diskutieren.
Sie wollen uns nicht vom Hof lassen. Der zuständige Manager ist nicht erreichbar.
Irgendwann geben sie nach.
Wir sind durch für heute.
Nachtlager im Sailing Club
Wir übernachten beim Dakar Sailing Club. Der Club hat seine besten Zeiten vielleicht hinter sich, die Nahe Fischfabrik stinkt, aber egal, wir stehen sicher und abgeschlossen mitten in der Großstadt. Mehr brauchen wir gerade nicht.
Fahrt nach Richtung Dakar zum Lac Rose
Der Iveco muckt wieder
Kurzzeitig hatte sich unser Iveco gefangen – vermutlich dank des restlichen marokkanischen Diesels aus dem Reservetank. Doch nach dem nächsten Tanken auf dem Weg Richtung Dakar: wieder Notlauf.
Immerhin: Sonntag scheint ein guter Fahrtag zu sein. Viele der berüchtigten Polizeikontrollen sind unbesetzt oder wir werden einfach durchgewunken. Nach all den Geschichten über angebliche Korruption sind wir positiv überrascht.
Zwischenstopp am Lac Rosé
Kurz vor Dakar übernachten wir am Lac Retba, besser bekannt als Lac Rosé.
Der See schimmert – je nach Licht – rosa. Verantwortlich ist eine spezielle Alge, die im salzhaltigen Wasser gedeiht. Faszinierend!
Ausgerechnet hier würde Colin am liebsten ins Wasser springen. Doch der Geruch hält uns davon ab. Badeverbot für den Hund. Manchmal sind wir echt Spielverderber.
Einreise in den Senegal und Fahrt zur Zebrabar
Auf geht’s zur Grenze!
In Diama wirkt der Grenzübergang erstaunlich übersichtlich. Ein paar Männer stehen bereit, um ihre „Unterstützung“ anzubieten, wir wollen es alleine versuchen. Und entgegen aller Erwartungen: Die Ausreise geht erstaunlich schnell. Kein stundenlanges Warten, kein Chaos.
Dann rollen wir über die Brücke über den Senegal-Fluss – 20 Euro Maut später sind wir offiziell im Senegal. Willkommen in Westafrika!
Direkt an der Grenze besorgen wir uns noch die braune Versicherungskarte. Eigentlich wollten wir sie erst in Saint-Louis kaufen, aber wir gehen lieber auf Nummer sicher. Die vielen Polizeikontrollen im Senegal sind legendär – und ohne gültige Versicherung kann es richtig teuer werden. Der kleine Aufpreis an der Grenze ist uns die Ruhe definitiv wert.
Ankommen in Saint-Louis – Zwischen Overlandern und Vogelparadies
Unser erster Stopp: Saint-Louis. Vorräte auffüllen, SIM-Karte besorgen – die üblichen Ankommensrituale.
Weil das Carnet de Passage an dieser Grenze nicht abgestempelt wird, erhalten wir stattdessen ein Passavant, gültig für 48 Stunden. Damit müssen wir eigentlich zur Zollbehörde nach Dakar. Zum Glück gibt es die Zebrabar – ein bekannter Treffpunkt für Overlander. Sie organisieren, dass ein Einheimischer unser Carnet nach Dakar bringt. Ein Service, den wir dankend annehmen.
Also fahren wir zur Zebrabar.
Hier treffen sich Reisende aus aller Welt. Geschichten werden ausgetauscht, Routen diskutiert, Pannen analysiert. Manche entspannen einfach nur nach der Wüste am Strand. Genau das brauchen wir jetzt auch: WoMo auf Vordermann bringen, durchatmen und warten, bis unser Carnet zurückkommt. Fünf Tage bleiben wir. Immerhin sind wir auf unserer Reise nun auch schon 10.000 km gefahren.
Die Zebrabar liegt mitten in einem Vogelschutzgebiet. Pelikane gleiten in Formation übers Wasser, Reiher stehen stoisch im seichten Uferbereich. Natur pur.
Der Strand direkt hier ist gepflegt – doch ein paar hundert Meter weiter sieht es leider anders aus. Müll sammelt sich im Sand. Das Meer lädt uns nicht zum Baden ein. Nicht einmal unsere Wasserratte Colin ist begeistert. Und das will was heißen.










